(NGZ) Der Kölner Dom und der Düsseldorfer Rheinturm wären gleichermaßen in weiter Ferne zu sehen, das gigantische Frimmersdorfer Kraftwerk mit seiner 550 Meter langen Maschinenhalle, das Restloch und der Tagebau ebenso auf einen Blick – und direkt unter den Füßen erstrecken sich die Stadtteile der Schlossstadt in all ihren Details.
Das alles könnten die Grevenbroicher und womöglich zahlreiche Touristen schon in wenigen Jahren gleichzeitig mit einem einzigen Blick über das rheinische Panorama bestaunen – bei guter Sicht jedenfalls. Denn der Ausblick vom geplanten Aussichtsturm, der auf der Vollrather Höhe im Rahmen des Projektes „Energiepfad 2.0“ entstehen soll, würde sich über dutzende Kilometer in alle Himmelsrichtungen erstrecken.
Möglicherweise bis zu 30 Meter könnte diese Aussichtsplattform hoch werden, auf der einstigen Abraumhalde, die selbst bis zu 187 Meter über Normalnull erreicht – und könnte einen einzigartigen Panorama-Weitblick auf das sich völlig im Strukturwandel befindende Revier gestatten. Damit würde sich dieser Höhepunkt des Energiepfad-Projektes in einer ähnliche Liga befinden wie andere „Post-Tagebauprojekte“ der Region wie etwa der 36 Meter hohe „Indemann“, von dem aus Besucher den ehemaligen Tagebau Inden und die umliegenden Landschaften bestaunen können oder dem kleinen Römerturm auf der großen Sophienhöhe. Letztere wäre vom Aussichtsturm in südlicher Richtung selbstverständlich auch zu sehen.
Doch wo genau auf der Vollrather Höhe soll diese hochschießende Touristenattraktion einst stehen? Seit Dienstagvormittag herrscht nun wohl Gewissheit – dank der Grevenbroicher Feuerwehr, die dem Landfolge-Geschäftsführer Volker Mielchen, Bürgermeister Klaus Krützen (SPD) und den weiteren Stadt-Mitarbeitern beim Vor-Ort-Besuch für die „gründliche Inaugenscheinnahme“ mit schwerem Gerät aushalf. Ein tonnenschwerer Drehleiter-Wagen, geführt von den beiden Feuerwehrleuten Gerardo Gallucci und Philipp Schäben, kam den leicht serpentinenartigen Weg der Halde hochgefahren, eigens um die Verantwortlichen anschließend in luftige Höhen zu befördern. „Nur so können wir uns wirklich den besten Eindruck verschaffen“, sagte Klaus Krützen.
Die Entscheidung, wo die Aussichtsplattform stehen soll, fiel dem Bürgermeister und Volker Mielchen nach zwei Ausflügen in die Lüfte anschließend leicht: „Das ist unser Standort“, sagte Bürgermeister Krützen mit großer Gewissheit als er zum zweiten Mal den Rettungskorb des Feuerwehrfahrzeugs verließ. An der sagenumwobenen Kultstätte „Drei Linden“ soll der große Turm somit aufgebaut werden. Denn hier – besonders mit dem weiten Blick nach Westen sowie auf Grevenbroich direkt zu Füßen – nehme der Standort „Bezug auf den Tagebau und wie sich alles immer weiter im Wege des Strukturwandels verändert“, sagte Volker Mielchen in absoluter Einigkeit mit Krützen. Bereits 2028, je nach konkretem Planungsbeginn, könnte der Turm stehen, meinte der Geschäftsführer des Zweckverbandes.
Grevenbroicher, die dann die Aussicht genießen werden, können auch Ausschau nach ihrem Wohnhaus oder Sehenswürdigkeiten der Stadt halten, so gut wäre der Blick auf die Schlossstadt. Insbesondere Neuenhausen, Gustorf, Elsen und die Südstadt könnten hervorragend von oben bestaunt werden.
„Man kann sogar den Rhein erahnen und vieles entlang der Rheinschiene sehen“, sagte der Grevenbroicher Strukturwandel-Manager Christian Moede. Als einzige Alternative für einen geeigneten Standort auf der Halde wurde zuvor der Wanderparkplatz getestet. Doch dieser würde kaum einen Blick auf die Schlossstadt sowie den Tagebau gewähren.
Diese Erkenntnisse erlangten die Verantwortlichen allerdings nur dank der freundlichen technischen Unterstützung der Feuerwehr. „Wir helfen da natürlich gerne“, sagte der erfahrene Oberbrandrat Udo Lennartz, der die ganze Aktion koordinierte. „Außerdem ist der Energiepfad ja auch ein tolles Projekt.“
Im Rahmen des Energiepfades 2.0 soll ein 30 Kilometer langer Radweg auf dem Grevenbroicher Gebiet, der einst vor 20 Jahren Kernstück des Euroga2002-Auftritts der Stadt war, revitalisiert werden. Die Vollrather Höhe – mit dem Aussichtsturm als besondere Attraktion – soll dabei als markante Erhebnung für die Freizeitnutzung in Wert gesetzt werden. „So können die Menschen hautnah erleben, was Verstromung in der Region bedeutet. Auch das ist Strukturwandel“, sagte Klaus Krützen.